Und jetzt kommt auch noch der Udo zu Wort

Udo Jürgens Bild ZeitungMan merkt, dass wieder Wahlkampf ist. Ansonsten würde das Thema Jugendkriminalität bestimmt nicht ein Dauerbrenner in den Medien sein. Aber ein Roland Koch, seines Zeichens Landesvater in Hessen, muss gerade alles tun, um nächsten Sonntag wieder gewählt zu werden. Da kam es ihm gerade recht, dass vor ein paar Wochen ein paar türkischstämmige Checker einen deutschen Rentner in einer Münchner U-Bahn zusammengeschlagen und mit „Scheiß Deutscher“ beschimpft haben. Unter normalen Umständen hätte die Tagesschau darüber berichtet und die Springer Presse mit vier Buchstaben ein paar reißerische Headlines gebracht und der Drops wäre gelutscht gewesen.

Nun läßt sich aber so ein Thema aber auch prima nutzen, um sich als verantwortungsbewußter Politiker zu positionieren, der sich endlich von den lauwarmen Vorstellungen vom richtigem Rechtsstaat, wie sie die Riege der Alt-68er Genossen fälschlicher Weise propagierte, distanziert und so besondere Bürgernähe beweist. Gut, einmal abgesehen davon, dass sich die Propagandaaktion von Koch als Rohrkrepierer herausstellt (man beachte die schier unglaublichen Umfragewerte der Herausforderin Ypsilanti – ein toller Name. Diese Dame braucht sich keinen Künstlernamen mehr zulegen). Mir ging das Thema langsam wirklich auf meine sensible vis comica. Gut, etwas Gutes hatte die Diskussion. Seit diesem besagten Anschlag laufen verstärkt Patroullien durch die U und S-Bahn Haltestellen, um marodierende Horden aus dem Hasenbergel vor eventuellen Nachahmertaten abzuschrecken. Und weil im Großen und Ganzen ja eigentlich nichts passiert, nutzen die Herren die Gunst der Stunde und ermahnen Passanten die mit einem Kippchen zwischen den Fingern oder den Lippen den Weg kreuzen, dass seit dem 1.1. in Bahnhöfen nicht mehr geraucht werden darf. Da ich täglich die Unterführung am Sendlinger Tor durchschreite, kann ich bestätigen, dass die Luft in der Unterführung wirklich merklich besser geworden ist. Toll, weiter so! 🙂

Worauf ich aber eigentlich hinaus wollte, ist der Aufmacher der samstäglichen Ausgabe von Deutschlands führendem Meinungsblatt, der Bild Zeitung. Da ist doch tatsächlich ein Bild von Schlagerbarde Udo Jürgens mit der Aussage zu sehen, dass kriminelle Ausländer hier nichts zu suchen haben. Aha. Wo ist hier? Deutschland? Österreich? Usbekistan? Soweit mir bekannt und von Wikipedia bestätigt, ist Udo ein eingetragener Bürger Österreichs und der Schweiz (ist auch besser für die Steuer), aber nicht Deutschlands. Da wundere ich mich doch schon ein wenig, weshalb ein Österreicher sich so präsent in der auflagenstärksten Postille (Zeitung kann man das Meinungsblättchen wohl kaum ernsthaft nennen) Deutschlands über die inneren Angelegenheiten seines Gastlandes äußern darf. Mein erster Gedanke war, hoffentlich wiederholt sich da nicht die Geschichte. Wenn ich im Geschichtsunterricht richtig aufgepasst habe, gab es vor 65 Jahren schon einmal einen ostmärkischen Künstler (verkannter Kunstmaler), der sich über die Sicherheit Deutschlands Gedanken machte. 12 Jahre später lag Europa in Schutt und Asche.

Um Himmels Willen, ich unterstelle uns Udo nicht, dass er politsche Ambitionen oder gar den Wunsch zur Weltherrschaft hegt! Warum auch, er hat alles im Leben erreicht, was man nur erreichen kann, Erfolg mit seiner Musik, mit den Finanzen und vor allem bei den Frauen (was man dem Kollegen mit dem adretten Seitenscheitel und dem kokett sitzendem Schnauzbärtchen mit ziemlicher Gewissheit absprechen kann). Er hat es also bestimmt nicht nötig, sich mit solchen Themen ins Rampenlicht zu drängen. Aber ich meine dennoch, dass auch ein Udo Jürgens, selbst wenn er vielen Omas und Mutties unbeschreiblich schöne Stunden mit seiner Musik bereitet hat und gewiss noch lange bereiten wird, sich nicht über politische Themen äußern sollte oder besser darf, die ihn als „Zugroaster“ nicht zustehen zu kommentieren.

Ich hoffe, ich habe keinem eingefleischten Udo Jürgens Fan auf den virtuellen Schlipps getreten. Ich halte ihn für einen wirklich großen Künstler, der wirklich singen und musizieren kann. Das ist etwas, was man heutzutage nicht unbedingt von einem Plattenkünstler verlagngen sollte – solange die Oberweite, die langen Beine und die lasziven Unterleibsbewegungen stimmen, wird heute alles auf CD gepresst, selbst wenn das Stimmchen und die Musikalität des sogenannten Künstlers an einen am Stimmbruch leidenden Asthmatiker erinnert. Nein, keine Frage, er ist wirklich eine große Nummer und Legende und ich gönne ihm jede Baccararose und jedes Spitzenhöschen, dass ihm auch noch mit seinen 74 Jahren von verzückten Landfrauen auf die Bühne geworfen wird. Ehrlich! Aber er sollte sich nicht zu Themen äußern, die ihn meines Erachtens absolut nichts angehen. Insbesondere als bekennender Österreicher (wir wollen nicht vergessen, er hat für Österreich und nicht für Deutschland den Grand Prix gewonnen!) haftet bei solchen Dingen immer ein gewisser Beigeschmack an. Also Udo, lass gut sein und singe besser weiterhin von Merci Cherie und siebzehn Jahr blondes Haar. Das kannst Du und da machst Du auch nichts falsch.

4 Kommentare zu Und jetzt kommt auch noch der Udo zu Wort

  1. Guter Artikel! Aber heißt das nicht eher „Jugendliche mit Migrationshintergrund“? 😉

  2. MünziThomas Münzer // 20. Januar 2008 um 19:24 //

    Robbie, wir wollen doch nicht katholischer als der Papst sein! Checker vom Hasenbergl passt ganz prima. Und ich glaube, jeder weiss, wer gemeint ist 🙂

  3. Robbie und Münzi, bin unpolitischer Ausländer. Meiner Meinung nach hat es mit Rassendiskriminierung und unvenünftige Verhalten zu tun.

    Auf der anderer Seite ist der sogenannte Künstler ein guter Event-Benutzer. Ansonsten weiß niemand, wer Udo Jürgens ist. Wie du geschrieben hast, dass das der Wahlkampf ist.

    schönen Tag!

  4. Da größte hab ich gerade auf off-the-record.de gelesen. Udo Jürgens hat Deutschland 1977 fluchtartig in Richtung der Schweiz verlassen. Der Grund dafür soll Steuerkriminalität gewesen sein – das heißt also er weiß wovon er spricht 🙂

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  1. Ãœber zu Propagandazwecken verallgemeinerte Zitate | Dominik Lagushkin

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